Dialektik des Datenschutz
Aus Laboratorium
Notizen
- Open Source Banking? Kunden Tauschen Bankgeheimnis gegen Sicherheit ihres Geldes?
- "private Daten schützen, öffentliche Daten nützen" (CCC) wird zunehmend schwieriger in einer Zeit in der man das private öffentlich machen muss (Kapitalismus) oder will (Peerconomy) um soziale Netzwerke zu verwerten (K.) bzw. sich in solchen zu entfalten (P.). Die Dichotomie zwischen "privat" und "öffentlich" ist ja auch gerade ein Kennzeichen der alten Gesellschaft. Da wollen wir ja weg von.
- Vergleich der Bewegung gegen die Volkszählung in den 80ern und heute.
- Schäuble et al. wissen das genau, Zitate raussuschen zum Thema "junge Leute tun ja eh alles ins Internet"
- Strategie: Kontrolle behalten. Deswegen: Anonymisieren, Verschlüsseln, etc. um dem Überwachungsdruck zu entgehen (Beispiele aktueller Artikel dazu raussuchen). Kontrolle behalten kann aber auch bedeuten, Überwachungsmaßnahmen offensiv zu wenden und sein Leben öffentlich zu machen (amerik. Künstler, der sein Leben Fotografiert, seit er unter Terrorverdacht steht (rasussuchen), analist). Oder: Noserub.
- Die neue Produktionsweise (egal ob weiterhin K. oder P.) erfordert Offenheit, gleichzeitig erfordert das Verwertungsregime immer mehr Kontrolle (sei es gegen Terrorismus oder direkt zur Durchsetzung von Verwertungsinteressen).
- Keimformen liegen da, wo man es schafft Offenheit so zu schaffen, dass Kontrolle und Überwachung gleichzeitig erschwert wird. Beispiele?
- eine zu einfache Lösung des Dilemmas wäre es, einfach zu sagen, ja hier und heute im K. ist Datenschutz nötig aber später dann nach der Transformation brauchen wir das nicht mehr. Das ist eine Sicht, die ausser Acht lässt, dass Gesellschaft sich immer verändern wird und verändern muss, deswegen auch immer Schutzräume braucht in denen sich Neues überhaupt erst entwickeln kann. Datenschutz ist also nicht nur ein Problem der alten Gesellschaft sondern auch und gerade der Neuen. Datenschutz sollte also nicht nur ein berechtigtes klassisches Abwehrrecht gegenüber staatlichen Zugriffen sondern gegenüber allen Zugriffen sein. Doch meist weiß man ja eben erst hinterher welcher Zugriff einem nicht passt und welcher schon. Wie gelingt es eine produktive Vernetzung zu ermöglichen ohne die Privatsphäre zu schleifen? Wie kann ich mit meinen Kenntnissen und Fähigkeiten gefunden werden ohne sie preiszugeben? Unmöglich?
- Datenschleuder Nr. 92 sind ein paar interessante Artikel drin
Auszüge aus http://www.neuegegenwart.de/ausgabe53/glaser.htm
Neue Gegenwart: Was sind Gründe für das offenbar fehlende Problem-bewusstsein hinsichtlich Datenschutz?
Peter Glaser: Das Problem liegt zum Teil darin, dass einem auf den ersten Blick nichts genommen wird. Meine Daten sind ja noch immer vollständig bei mir, auch wenn jemand sich eine Kopie davon aneignet.
Anmerkung benni: Interessant. Das was beim Filesharen die Eigentumsproblematik nicht sehen lässt, tut es hier auch nicht.
Neue Gegenwart: Unternehmen versuchen über Bonussysteme Kunden zu ködern, ihr Konsumverhalten offen zu legen. Für diese Offenlegung (Kaufkraft, Häufigkeit, Art der Produkte etc.) erhält man nach einem Punktesystem Prämien, zum Beispiel einen Akkusauger oder eine Küchenwaage. Warum fällt die Unverhältnismäßigkeit zwischen Geben und Nehmen nicht auf?
Glaser: Das frage ich mich auch. In der öffentlichen Diskussion müsste neben den Bedrohungs-Szenarien der wirtschaftliche Wert, den meine Daten darstellen, eine wesentlich größere Rolle spielen. Ich bin der Ansicht, dass die Konsumenten von den datenkonsumierenden Unternehmen behandelt werden wie Ureinwohner von Eroberern – im Vergleich zu dem Wert, den die gelieferten Daten tatsächlich darstellen, sind Bonuspunkte und derlei Glasperlen für die Eingeborenen.
Anmerkung benni: Wieder interessant. persönliche Daten, ein Universalgut?
Neue Gegenwart: Wie will sie dabei – Ihrer Einschätzung nach – den besonders geschützten Kernbereich der Privatsphäre berücksichtigen?
Glaser: Ich sehe keine Verbesserung und auch keinen Bestandsschutz, was die Privatsphäre betrifft. Es gibt eine Tendenz, sie mit den immergleichen Argumenten immer durchlässiger zu machen – Schutz vor Terrorismus, und wer nichts zu verbergen hat, braucht sich nicht zu fürchten. Was für die Erdatmosphäre im Großen gilt, gilt auch für die vielen kleinen Privatsphären der Menschen – sie sind gefährdet durch unverantwortliche menschliche Eingriffe.
Anmerkung benni: Und nochmal spannend: Privatsphäre als Commons?
siehe auch:
- Eigener Text zum Thema: http://www.keimform.de/2009/vom-livestream-zum-lifestream-teil-2/
- http://tinyurl.com/cxh5wz (Vortragsvideo von Christian Plomlompom Heller auf dem CCC)

