Linksradikal

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Links? Radikal? Linksradikal?

links

Der Ausdruck "Links" für eine politisch-weltanschauliche Orientierung stammt historisch bekanntlich aus den Anfängen des Parlamentarismus. Als solcher macht es kaum Sinn ihn zu verwenden, wenn man den Parlamentarismus grundsätzlich kritisiert. Dennoch enthält er noch einige weitere Bestandteile:

  • Er bezeichnet eine generelle in der Tradition der humanistischen Aufklärung stehende Haltung, die die Emanzipation des Menschen fordert. Als solcher macht er Sinn, sofern man sich positiv auf diese Tradition bezieht. Wenn man seinen Schwerpunkt eher auf eine posthumanistische Aufklärungskritik, wie es etwa der Poststrukturalismus tut, legt, macht der Ausdruck "links" für die eigene Bezeichnung - zumindest was diesen Moment angeht - wohl nicht so viel Sinn. Und auch eine von der Wertkritik inspirierte subjekt- oder abspaltungskritische Haltung wird hier ihre Probleme haben.
  • Er bezeichnet eine generelle Empathie mit den Unterdrückten und Marginalisierten. Sofern das als Stellvertreterpolitik, religiös oder idealistisch motiviert ausformuliert wird, findet sich auch daran viel kritisierenswertes. Dennoch: Das ist nicht identisch mit dem vorigen Punkt, auch wenn man ihn aus dem vorigen ableiten kann. Im Sinne des Poststrukturalistischen "minoritär werdens" wäre das also vielleicht ein Verständnis von "links" mit dem auch poststrukturalistisch Inspirierte leben könnten. Für WertkritikerInnen fällt mir keine passende Argumentation ein, die nicht simpel moralisch wäre.
  • Er bezeichnet ein sehr weites Feld von Einstellungen, die oft weniger gemeinsam haben, als sie unterscheidet. Die Trennschärfe des Begriffs ist also nicht gegeben. So wird er oft zur Anrufung eines falschen "wir" mißbraucht.
  • Deleuze hat eine interessante Definition von "links". Für ihn ist "links sein" eine Wahrnehmungssache. Wer die Welt nicht vom eigenen Umfeld aus betrachtet sondern vom Ganzen her, ist für ihn ein Linker: http://www.youtube.com/watch?v=lQn284qlc3s
  • Es gab immer auch Vorstellungen von "links" die mit staatsfreundlichen oder gar autoritären Vorstellungen zusammen gingen (Sozialdemokratie, Stalinismus). Das geht natürlich schon mal gar nicht.
  • Zusammenfassend vielleicht: "links" sein, heißt das Gute Leben für Alle zu wollen. (leicht verändert übernommen von Friederike Habermann)

emanzipatorische Linke

In letzter Zeit kommt zunehmend der Ausdruck "emanzipatorische Linke" in Mode, der wohl vor allem gedacht ist um den letzten Punkt oben ausgrenzen zu können. Dass da trotzdem weiterhin Klärungsbedarf besteht zeigen die anderen Punkte.

radikal

Aus diesem vielfältigen Dilemma weichen viele aus indem sie sich als "linksradikal" bezeichnen oder sich auf eine Identitätskonstruktion namens "radikale Linke" beziehen. Dabei wird gerne noch zusätzlich betont, dass man sich damit von einem abwertend gemeinten "linksextrem" abgrenzen wolle. Tatsächlich werden beide Wörter in der Umgangssprache aber mehr oder weniger synonym gebraucht. Macht das trotzdem Sinn? Bei einem positiven Bezug auf "Radikalität" wird gerne auf die Wortbedeutung des lateinischen Stamms des Wortes (radix=Wurzel) verwiesen. Demnach ist eine radikale Politik also eine, die die gesellschaftlichen Probleme an der Wurzel lösen will. Daraus ergibt sich dann aber das Problem, dass das schon voraussetzt, dass es diese eine "Wurzel allen Übels" gäbe, womit die Schlussfolgerung diese auszumerzen und damit alle Probleme zu lösen für viele zumindestens sehr nahe liegt. Genau das ist aber in der Tendenz eigentlich ein Widerspruch zum linken Emanzipationsanspruch (sei er jetzt humanistisch oder posthumanistisch). Auch als Aufklärungskritiker fällt es schwer einer solchen Systematisierung und Hierarchiesierung des Politischen zuzustimmen.

Tatsächlich wurde auch historisch der Begriff "radikal" im politischen Sinne auch zuerst von Liberalen verwendet, nicht von dem was man heute als "Linke" bezeichnen würde.

Positiv am Begriff der Radikalität kann man auffassen, dass es eine Einstellung bezeichnet, die sich nicht mit den Phänomenen an der Oberfläche zufriedengibt und auch bereit ist Grundsätze in Frage zu stellen. Auch nach Rhizomen muss man graben.

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